Heute Abend gab es eine spontane Fotosession mit Kindern. Sie wissen, dass unser Abschied naht und so ergab es sich, dass Roswitha Fotos machte, dekoriert teils mit Hüten oder Kravatten, in den verschiedensten Posen und Zusammenstellungen. Es war richtig spaßig, obwohl sie traurig sind, dass wir gehen. Dieses Kommen und Gehen von immer anderen Personen ist für die Kinder nicht einfach zu verkraften. Wehmütig sprechen sie vorigen Mitarbeitenden, die da waren. Hat man sich mehr und mehr genähert, Zutrauen gefaßt, steht eine Trennung schon wieder bevor. Wir merken, dass uns der Abschied auch nicht leicht fällt. Beziehungen sind entstanden, die gerade in den letzten Wochen stärker wurden - und nun heißt es Abschied nehmen.
Donnerstag, 29. August 2013
Samstag, 24. August 2013
Die Freiwilligen aus Österreich sind da
Gestern, am Freitag, haben wir noch alles gereinigt und gerichtet und heute haben wir sie, die Gruppe aus Österreich, vom Flughafen abgeholt. Die Fahrt vom Flughafen durch die Stadt gibt allen, die das Land noch nicht kennen, einen ersten intensiven und auch verwirrenden Eindruck: Die Gerüche, der Lärm, die Hitze, der Staub, das Marktgeschehen, die Stände und Menschen am Straßenrand, die Gegensätze, u.v.m. Sie haben Quartier bezogen im Gästehaus und sind ganz glücklich über diese Unterbringung. Am Donnerstag konnten wir noch schnell eine Sitzgarnitur aus einheimischer Produktion kaufen, die ganz gut in den Raum hineinpaßt. Nur der Kühlschrank fehlt noch, und natürlich die Küche. Diese wird von Zweien aus der Gruppe angefertigt werden. Andere werden Wände streichen, Löcher für Wanddosen in Wände klopfen/stemmen und vieles mehr. Morgen ist nach dem Gottesdienst ein Ausflug an einen Strand geplant, mit Picknick. Am Montag beginnt die Arbeit.
Bekleidung
In einem der letztern posts haben wir ja die konservativen Mennoniten in Port de Paix bedauert wegen ihrer für dieses Klima unpassenden Bekleidung. Aber vielleicht paßt diese Bekleidung doch in die haitianische Gepflogenheit, sich in der größten Hitze warm anzuziehen. Dazu gehören: Wollmütze, kurz-oder langärmelige Hemden, lange Hosen und ... Strümpfe. Selbstverständlich laufen auch viele ohne Strümpfe und/oder sogar barfuss herum - oder sonstwo leichter bekleidet. Aber es fällt auf. In kurzen Hosen laufen fast auschließlich weiße Männer herum.
Wir sind sehr froh, dass wir uns hier im Bereich des Kinderheimes nicht so bedeckt anziehen müssen, wie es in den Vorinformationen stand. Ich (Werner) trage immer kurze Hosen und shirts ohne Ärmel - und Strümpfe auch nur 2-3 mal als es mal abends etwas kühler (28 C) wurde. Bei der Arbeit trage ich sehr oft "oben ohne", denn in diesem feuchtheißen Klima wird meine Bekleidung während der Arbeit ganz schnell klitschnass. Ich fühle mich wie in der Sauna.
Wir sind sehr froh, dass wir uns hier im Bereich des Kinderheimes nicht so bedeckt anziehen müssen, wie es in den Vorinformationen stand. Ich (Werner) trage immer kurze Hosen und shirts ohne Ärmel - und Strümpfe auch nur 2-3 mal als es mal abends etwas kühler (28 C) wurde. Bei der Arbeit trage ich sehr oft "oben ohne", denn in diesem feuchtheißen Klima wird meine Bekleidung während der Arbeit ganz schnell klitschnass. Ich fühle mich wie in der Sauna.
Wiederaufforstung
Unser Besuch beim MCC in Desarmes begann am Donnerstag mit einer kurzen Autofahrt und einer viel längeren Wanderung in die Berge - mit drei Leuten aus dem Mitarbeiterstab des MCC. Wenn wir nun gedacht haben, dass wir nur bei Autofahrten Flüsse durchqueren mußten, so wurden wir eines anderen belehrt. Wir durchquerten einen kleinen Fluss, welcher schönes frisches Wasser führte und unsere Füße erfrischte. Wir hatten zwar für eine Wanderung nicht die richtigen Schuhe an, aber dafür war unsere leichte Fußbekleidung bestens geeignet bei einer Flussdurchquerung nass zu werden. Unsere Begleiter dagegen mußen sich erst ihrer Turnschuhe und Strümpfe entledigen und ihre Füße hinterher wieder trocknen. Aber das nur nebenbei.
Die Aufforstung geschieht in folgender Weise: Ein Grundstückbesitzer meldet sich beim MCC und bittet um Hilfe bei der Aufforstung. Die Hilfe ist an folgende Bedingungen geknüpft: Er muss Seminare besuchen, um die Baumarten und die Pflege kennen zu lernen, er muss einen Zaun um sein Grundstück ziehen, damit Ziegen, etc. die jungen Baumpflanzen nicht abfressen, u.a.m. Er bekommt einige Pflanzen geschenkt, die anderen muss er kaufen. Unter der Obhut der fachkundigen Mitarbeiter des MCC pflegt er seinen Wald, entscheidet wie und wann Bäume oder Triebe abgeschnitten werden, damit sie besser wachsen. Die Früchte der gepflantzen Obstbäume kann er auf dem Markt verkaufen und sich auf diese Weise einen kleinen Lebensunterhalt erwirtschaften. Auch Holz kann er aus seinem Wald "ernten" und verkaufen. Viele solcher privater Wäldchen sind inzwischen entstanden. Diese Aufforstungsarbeit wird von einem einheimischen Komitee verwaltet und geleitet. Es wird also nicht einfach irgendwo wild drauflosgepflanzt, sondern durch diese Struktur sichergestellt, dass die Bepflanzung gepflegt und gehegt wird, also Bestand hat.
Die Aufforstung geschieht in folgender Weise: Ein Grundstückbesitzer meldet sich beim MCC und bittet um Hilfe bei der Aufforstung. Die Hilfe ist an folgende Bedingungen geknüpft: Er muss Seminare besuchen, um die Baumarten und die Pflege kennen zu lernen, er muss einen Zaun um sein Grundstück ziehen, damit Ziegen, etc. die jungen Baumpflanzen nicht abfressen, u.a.m. Er bekommt einige Pflanzen geschenkt, die anderen muss er kaufen. Unter der Obhut der fachkundigen Mitarbeiter des MCC pflegt er seinen Wald, entscheidet wie und wann Bäume oder Triebe abgeschnitten werden, damit sie besser wachsen. Die Früchte der gepflantzen Obstbäume kann er auf dem Markt verkaufen und sich auf diese Weise einen kleinen Lebensunterhalt erwirtschaften. Auch Holz kann er aus seinem Wald "ernten" und verkaufen. Viele solcher privater Wäldchen sind inzwischen entstanden. Diese Aufforstungsarbeit wird von einem einheimischen Komitee verwaltet und geleitet. Es wird also nicht einfach irgendwo wild drauflosgepflanzt, sondern durch diese Struktur sichergestellt, dass die Bepflanzung gepflegt und gehegt wird, also Bestand hat.
Mittwoch, 21. August 2013
Besuch beim Mennonite Central Committee (MCC)
Unsere Erlebenisse von Port de Paix und die Fahrt nach Gonaives liegen noch nicht lange zurück, so gibt es schon wieder Neues zu berichten. Wir befinden uns jetzt in Desarmes, gelegen zwischen Port au Prince und Gonaives, in einem fruchtbaren Tal, in dem viel Reis angebaut wird. In Desarmes hat das MCC ein vielfältiges ländliches Entwicklungsprojekt . Heute Nachmittag haben wir eine der vielen Baumschulen besucht, die das MCC initiiert hat und unterhält. Geleitet wird jede Baumschule von einem Komitee, das in großer Selbständigkeit das Projekt durchführt. Wenn die Planzen ein paar Monate alt sind, bekommt jeder, der eine Pflanze haben möchte, eine geschenkt. Wer mehr Pflanzen haben möchte, muss einen Betrag bezahlen. Damit finanzieren sich die Baumschulen. Gezogen werden Früchtbäume (Zitronen, Apfelsinen, Avokados, Mangos, Papayas, etc.), Bäume zur Aufforstung und Holznutzung, sowie der "Gesundheitsbaum" Moringa.
Morgen unternehmen wir eine Besichtung einer Anpflanzung in den Bergen, per Auto und zu Fuß.
Morgen unternehmen wir eine Besichtung einer Anpflanzung in den Bergen, per Auto und zu Fuß.
Mennos in Port de Paix entdeckt
In Port de Paix bogen wir auf unserer städtekundlichen Tour in eine Straße ein und lasen zu unserem Erstaunen "Rue Mennonite"- eglise de Paix. Hinter einer hohen Mauer würde eine mennonitische Kirche stehen und der Pastor würde gegenüber wohnen, so sagten uns Nachbarn. Wir klopften, keiner da. Stunden später sind wir nochmals vorbei gefahren- und siehe, jetzt war jemand da. Es öffnete uns kein schwarzer haitianischer Pastor, sondern ein junger weißer Amerikaner. Mit seiner Familie ist er schon seit zwei Jahren hier als Leiter der kleinen mennonitischen Schule. Der Pastor, ebenfalls Amerikaner, würde weiter weg wohnen. Kurz und gut: Sie kommen aus einer mennonitischen konservativen Gruppe aus Ohia/Michigan. Sie, die Frau, gekleidet mit einem blauen fußlangen Kleid, schwarzen Strümpfen und einer weißen Haupe auf dem Kopf. Er schon etwas moderner, aber auch mit Strümpfen bekleidet. Und das bei dieser Hitze mit 35 Grad im Schatten. Für uns unvorstellbar. Das kalte Wasser, das sie uns zum Trinken reichten, schmeckte unglaublich erfrischend. In der Kirche, die er uns dann zeigte, sitzen Frauen und Männer entsprechend ihren traditionellen Regeln getrennt. Die Gemeinde zählt ca. 50 Mitglieder. Was soll man dazu sagen? Da werden traditionelle religiöse Regeln in ein anderes Land exportiert, Regeln, die es früher bei uns auch mal gab, und nun übernehmen die haitianischen Gemeindeglieder diese Regeln/Gesetze. Ob diese nun auch die Kleiderordnung übernommen haben, bzw. als neue Gemeindeglieder übernehmen, wissen wir nicht. Haben wir vergessen zu fragen. Leider hatten wir auch nicht gefragt, ob wir in deren Gästewohnung übernachten könnten. Hätten wir das getan, wäre es nicht zur "Fahrt in die Nacht" gekommen. Hätte uns einiges an Nerven erspart.
Wie kam es zur Gemeindegründung?
Ein Haitianer arbeitete in den USA, wurde zu Gottesdiensten eingeladen und wurde mennonitischer Christ. Auf den Hinweis hin, er solle doch wieder zurück nach Haiti zu seiner Familie, antwortete er: Wenn von euch welche als Missionare mitkommen, dann gehe ich zurück. Die Gemeinde entsandte Missionare nach Port de Paix. Dies war vor 20 Jahren. So die Geschichte, warum diese kleine konservative mennonitische Gruppe in den USA eine Missionsgemeinde in Port de Paix in Haiti unterhält.
Wie kam es zur Gemeindegründung?
Ein Haitianer arbeitete in den USA, wurde zu Gottesdiensten eingeladen und wurde mennonitischer Christ. Auf den Hinweis hin, er solle doch wieder zurück nach Haiti zu seiner Familie, antwortete er: Wenn von euch welche als Missionare mitkommen, dann gehe ich zurück. Die Gemeinde entsandte Missionare nach Port de Paix. Dies war vor 20 Jahren. So die Geschichte, warum diese kleine konservative mennonitische Gruppe in den USA eine Missionsgemeinde in Port de Paix in Haiti unterhält.
Eine Fahrt in die Nacht
Im letzten "post" haben wir versäumt zu erklären, dass Port de Paix ganz im Norden liegt. Haiti muss man sich mit der Handfläche und zwei nach Westen ragenden Fingern vorstellen. Zwischen den Fingern liegt der `"Golfe de la Gonave". So hat Haiti außer der Landgrenze zur Dominikanischen Republik sehr, sehr viel Küste.
Also, wir waren in Port de Paix, und nicht richtig beachtend, dass es schon später Nachmittag war und wir nicht wußten, dass die Straße mal wieder eine Schotterstraße sei, fuhren wir los. Es ging bergauf, bergab, meist grober Schotter im Sinne von großen Kieselsteinen, so dass meist nur im 2. Gang gefahren werden konnte. Es wurde dämmrig, es ging durch Flüsse, die Strecke zog sich und es wurde klar, wir erreichen unser Ziel, Gonaives nicht. Dazu kommt, dass es meist keine Straßenbeleuchtung gibt. und meist auch keine Ortsschilder. In einem Städtchen, dessen Namen wir nicht kannten, fanden wir ein Hotel, dieses Mal mit Hilfe von Methodisten, die gerade noch in ihrer Kiche waren. So legten wir ungeplanter Weise in "Gros Morne", wie wir später erfuhren einen Halt ein und fuhren erst am nächsten Morgen weiter - natürlich immer noch Schotterstraße. In Gonaives angekommen, fuhren wir an einen Strand und gönnten uns einen entspannten und sonnendurch-tränkten Nachmittag im wunderbaren klaren karibischen Meer.
Also, wir waren in Port de Paix, und nicht richtig beachtend, dass es schon später Nachmittag war und wir nicht wußten, dass die Straße mal wieder eine Schotterstraße sei, fuhren wir los. Es ging bergauf, bergab, meist grober Schotter im Sinne von großen Kieselsteinen, so dass meist nur im 2. Gang gefahren werden konnte. Es wurde dämmrig, es ging durch Flüsse, die Strecke zog sich und es wurde klar, wir erreichen unser Ziel, Gonaives nicht. Dazu kommt, dass es meist keine Straßenbeleuchtung gibt. und meist auch keine Ortsschilder. In einem Städtchen, dessen Namen wir nicht kannten, fanden wir ein Hotel, dieses Mal mit Hilfe von Methodisten, die gerade noch in ihrer Kiche waren. So legten wir ungeplanter Weise in "Gros Morne", wie wir später erfuhren einen Halt ein und fuhren erst am nächsten Morgen weiter - natürlich immer noch Schotterstraße. In Gonaives angekommen, fuhren wir an einen Strand und gönnten uns einen entspannten und sonnendurch-tränkten Nachmittag im wunderbaren klaren karibischen Meer.
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